ATELIER SCHÜTZ
 R e s t a u r i e r u n g 

              und Malerei


 


 

Restaurierung der Altarausstattung der 14-Nothelfer-Kapelle in Birkach, Lkr. Augsburg

Die 14 - Nothelfer - Kapelle zwischen Mickhausen und Birkach wurde am 14. Sept. 2014 wieder eingeweiht

Die Waldkapelle 14 Nothelfer wurde aufgrund einer Stiftung im Jahre 1764 erbaut und ausgestattet. 

Künstlerische Beschreibung

Der Altar ist über einem Stipes aufgebaut, und besteht aus einem bemalten Antependium, einer Predella mit Figurennische und korinthischer (Doppel-) Säulenordnung, die seitlich mit "geohrten" Brettern abschließt, sowie einem Auszug, der oben mit Mittelvolute, und mit 2 Vasen und gefasstem Blumenschmuck endet.


 



 

Das Gemälde auf dem hölzernen Antependium entstand erst ca. 50 Jahre später als der Altar selbst, also ca. 1820. Dargestellt sind, in ländlich-volkstümlicher Akkuratesse, Brustbilder der 14 Nothelfer mit ihren Attributen, die halbkreisförmig, meist in doppelter Staffelung, um einen Kelch mit Hostie und Blutwunder gruppiert sind. 

Unterhalb der auf Wolken situierten Heiligen sind 4 Personen, ebenfalls halbfigürlich, als "arme Seelen" im Fegefeuer dargestellt.


 

Gemälde im Antependium, Zustand vor der Restaurierung


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

Zwischen 1764 und ca. 1820 war das Antependium wohl monochrom dunkelblau bemalt gewesen.


 


 

Zustand nach der Restaurierung


 

Predella, Auszug, Mittelvolute und Seitenbrettrer sind in Grau und fahlem Fleischton 

( Caput Mortuum ) marmoriert, der Auszug etwas heller gehalten, die Säulen sind blau (Ultramarin) marmoriert, Kapitelle und Basen vergoldet (Blattgold). 

An den Vasen befinden sich zusätzlich zu Vergoldungen auch z.T. mit Goldlack überzogene Versilberungen, die an den Blüten rot gelüstert sind.


 

Der Erhaltungszustand ist geprägt von sehr starkem Substanzverlust.

Dies bezieht sich nicht nur auf gelockerte, verwitterte, versprödete, ausgebrochene und weiter ausbruchgefährdete Malschichten, Farb - und Grundierungspartikel, sowie auf stark übermalte und überlasierte Bereiche am Antependium.


 


 


 

Das gesamte Retabel wurde im 20. Jahrhundert, wohl im Zeitraum zwischen Ende der 1960er,- und Ende der 1970er Jahre komplett neu gefasst.


 

Der Diebstahl der Figurengruppe in der Predella, wohl auch der hl. Geist - Taube im Auszug, vor ca. 40 Jahren, war wohl der stärkste Verlust.

Von der Figurennische weiß man aus einem Archiv nur, (wie Herr Dr. Michael Schmid vom Bistum Augsburg freundlicherweise mitteilt ), daß es sich um einen "Heiligen Wandel", also um Maria und Josef mit dem Jesusknaben in ihrer Mitte gehandelt haben mußte. 

   

Die ursprüngliche Farbgestaltung der Altarteile wurde im Zuge der Neufassung weitestgehend entfernt.  

Aus den wenigen vorhandenen Resten läßt sich kaum ein schlüssiges Farbkonzept erahnen: 

die Marmorierung der großen Flächen weicht etwas ab von der heute sichtbaren Fassung: das Grau mehr in Richtung Ocker, das Rot etwas wärmer und weicher; außerdem wurde an den Vasen unter der heutigen Vergoldung Reste einer grünen (Lüsterung?) Fassung gefunden.


 

Schwierige Anforderungen

Die Konservierung und Restaurierung wurde von der Firma Schütz, Oberschöneberg, durchgeführt, und dauerte mehrere Monate.

Die durchzuführenden Maßnahmen und die anzuwendenden Materialien und Techniken wurden an mehreren Werkstattterminen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege München, dem Fachreferat für kirchliches Bauwesen und Kunst Augsburg, sowie dem Förderverein 14-Nothelferkapelle Birkach festgelegt.

Da restauratorische Eingriffe an einem denkmalgeschützten Objekt reversibel, (also wieder entfernbar) sein müssen, sind - wenn es sich wie hier um einen, klimatisch schwierigen, überdachten Außenraum mit starker Sonneneinstrahlung handelt - bezüglich anzuwendender Materialien recht enge Grenzen gesetzt. - Traditionelle Malmaterialien, wie auch in der Restaurierung verwendete Substanzen, die auf hölzernen Untergründen anwendbar sind, haben meist das Problem, daß sie Wind und Wetter nicht lange standhalten. 

Sie müssten also gleichzeitig reversibel, elastisch, wetterfest, und lichtecht sein. 


 

-Meist wurde den Kunstharzen der Vorzug vor den natürlichen Bindemitteln gegeben: bei den Festigungsarbeiten, auch bei Kittung und Retusche. Nur die Überzüge wurden mit elastischem Naturharz ausgeführt. 


 

Zur Vervollständigung des Altars, als Ersatz für die gestohlene Figurengruppe in der Predella, wurde - im Sinne des ursprünglichen Gedankens - ein Rohling mit Thema "Heiliger Wandel" bestellt, der von Bildhauer Haiss aus Ziemetshausen fertiggeschnitzt, und von Restaurator Schütz gefasst wurde.

Foto-Dokumentation, Vorzustand


  

Ausblick

Seitens der Denkmalpfleger kam die Anregung, künftig den Zustand des Altars jährlich durch einen Restaurator im Rahmen eines Wartungsvertrags überprüfen, und gegebenenfalls kleine Schäden sofort wieder beheben zu lassen. 


 

 © Atelier Schütz Dinkelscherben